Das Babytragetuch – praktisch für Eltern und Geborgenheit fürs Kind

Zunehmend wird das Stadtbild von jungen Eltern mit Babys in Tragetüchern geprägt. Galt in den letzten Jahrzehnten der Kinderwagen noch als beste Lösung, um mit dem Baby mobil zu sein, erinnert man sich mehr und mehr der weltweit am meisten genutzten Transportmöglichkeit für den Nachwuchs.

Auch in Deutschland und europaweit wurden Kinder früher überwiegend getragen; der Kinderwagen konnte sich erst nach seiner Erfindung im 19. Jahrhundert nach und nach etablieren. In den 1970er und 1980er Jahren begannen jedoch vor allem alternativ denkende und lebende Frauen, das Babytragetuch wieder für sich zu entdecken. Inzwischen ist das Tragen eines Babys mit einem Tuch oder einer Tragehilfe längst in der breiten Bevölkerung angekommen, auch wenn die Mehrheit der Eltern nicht parallel auf einen Kinderwagen verzichten möchte.

Warum Eltern aufs Tragetuch zurückgreifen

Babys fühlen sich geborgen, wenn sie nah am Körper der Mutter oder des Vaters sein dürfen. Besonders in den ersten Lebenswochen und -monaten sind viele Säuglinge unruhig, wenn sie alleine im Stubenwagen oder Bettchen liegen. Oft lässt der Alltag aber kaum zu, dass man täglich viele Stunden nur auf dem Sofa oder im Bett kuschelt – vor allem, wenn noch ältere Geschwisterkinder betreut werden müssen. In einer solchen Situation bewährt sich das Babytragetuch: Das Kind fühlt sich im Tuch sicher und die Mama (oder auch der Papa) hat die Hände frei und ist mobil, um zugleich anderen Aufgaben gewachsen zu sein.

Für viele ist auch die städtische Situation ausschlaggebend, weshalb lieber das Tragetuch als der Kinderwagen verwendet wird. Wo Treppen Hindernisse sind oder der Wagen durch enge Geschäfte manövriert werden muss, hat das Tuch die Nase vorn. Auch Nahverkehr und unwegsames Gelände sind mit dem eingebundenen Baby kein Problem.

Babys profitieren vom Getragenwerden

Für einen Säugling ist es wesentlich natürlicher, getragen statt in einem Wagen liegend geschoben zu werden. Menschenbabys sind Traglinge und das Tragetuch ist die optimale Unterstützung, diesem Bedürfnis gerecht zu werden. Das Baby spürt die Körperwärme, hört den Herzschlag des Tragenden und genießt das Schaukeln, das es schon von der Zeit im Mutterleib kennt. Zudem ist es weniger äußerlichen Reizen ausgesetzt. Eine rundum wohlige Sache für das psychische Befinden des kleinen Menschen. Außerdem wird der Gleichgewichtssinn des Babys angeregt, was für seine weitere Entwicklung und Mobilität vorteilhaft ist.

Das Tragen mit einem Tragetuch hat auch weitere körperliche Vorteile für den Säugling. Richtig gebunden stützt das Tuch den Rücken, der sich dabei rund abbilden muss. Die angehockten Beine und die leichte Spreizung helfen der Reifung der Hüfte. Bei der Vorsorgeuntersuchung zwischen der 4. und 6. Lebenswoche wird bei einem Baby ein Hüftultraschall durchgeführt, um die Reife der Hüfte zu untersuchen. Oftmals müssen Babys im Anschluss breit gewickelt oder während einer vom Arzt vorgegebenen Zeitspanne mit Spreizhosen behandelt werden. Einen ähnlichen Effekt hat das korrekte Tragen im Tuch, wobei natürlich im Falle einer unreifen Hüfte alle Maßnahmen – auch das Tragen – mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden müssen. Grundsätzlich wird bei einer guten Trageweise die Hüfte nicht unnötig belastet und kann sich so optimal entwickeln.

Ab wann und wie lange ein Baby im Tragetuch getragen werden kann

Tatsächlich ist es möglich, von Geburt an ein Baby mit einem Tragetuch zu tragen. Voraussetzung ist allerdings, dass eine korrekte Bindung erfolgt, damit das Baby optimal gestützt wird. Immer mehr Eltern tragen ihre Babys nicht nur eine kurze Zeitspanne, sondern über den ersten Geburtstag hinaus – weil es praktisch ist und sich bewährt hat. Während die Allerkleinsten vor dem Bauch eingebunden werden, können sie sobald sie das Köpfchen stabil und sicher halten können, auch auf den Rücken. Das ist für den Tragenden wie für das Kind praktisch: Der Erwachsene kann sich noch freier bewegen und der Tragling ist in der Lage, mehr zu sehen und noch besser am Geschehen teilzunehmen. Außerdem gibt es Bindeweisen, bei denen das Kind auf der Hüfte hockt.

Verschiedene Bindeweisen – welche ist die beste?

Die passende Bindeweise des Tragetuchs hängt vor allem stark vom Alter des Babys ab, aber auch von den Präferenzen des Tragenden. Am geläufigsten ist die so genannte Wickelkreuztrage vor dem Bauch, wenn es sich um einen sehr kleinen Säugling handelt. Wenn das Baby größer geworden ist und leichter auf dem Rücken getragen werden kann, gibt es auch die Bindeweise der Wickelkreuz-Rückentrage und noch komfortabler für den Erwachsenen den Double Hammock, eine Tragetuch-Bindeweise, die das Gewicht besser verteilt.
Diese Techniken sind jedoch nur Beispiele für Bindeweisen für Tragetücher. Anleitungen werden zudem meist von den Herstellern von Tragetüchern mitgeliefert, auch auf Video-Portalen wie YouTube können viele gute Videoanleitungen angesehen werden.

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Was ein geeignetes Tragetuch für den Einzelnen ausmacht, hängt von verschiedenen Dingen ab:

  • Körpergröße/Figur des Tragenden
  • Alter/Gewicht des Babys
  • Jahreszeit/Temperatur
  • Budget
  • Optik

Größe des Tragenden

Zu beachten ist vor allem, dass das Babytragetuch die passende Länge hat, damit es nicht zu kurz oder zu lang ausfällt, wenn es verwendet wird. Mit unterschiedlichen Bindeweisen lässt sich zwar etwas korrigieren, grundsätzlich muss es jedoch zur Figur und zur Größe des Tragenden passen. Hersteller stellen meist Tabellen oder Rechner zur Verfügung, über die man die passende Länge ermittelt.

Gewicht des Babys

Während ganz kleine Babys noch in einem so genannten elastischen Tuch getragen werden können, sollte ab einem bestimmten Gewicht (Herstellerangabe beachten!) auf ein gewebtes Tuch umgestiegen werden. Gewebte Tücher sind aus Stoffen, die vor allem in der Diagonalen nachgeben, aber kaum längs und quer, dazu werden spezielle Webtechniken eingesetzt.

Jahreszeit und Temperatur

Die Jahreszeit ist durchaus auch entscheidend, aus welchem Material ein Tragetuch bestehen soll. Üblicherweise sind sie aus Baumwolle und Baumwoll-Gemischen. Ein Baumwollgemisch mit Wolle ist besser für die kalte Jahreszeit, ein Gemisch mit Seide vor allem an warmen und heißen Tagen vorteilhaft. Auch Tücher mit Leinen- oder Hanfanteil sind auf dem breit aufgestellten Markt verfügbar, wobei letztere vor allem für große Traglinge praktisch sind. Je nach verwendeten Materialien muss auch mehr oder weniger tief in die Tasche gegriffen werden fürs Wunschtuch.

Budget

Was ein Tragetuch kostet, ist stark von Material, Design, Länge und Marke abhängig. Angefangen von rund 30 bis 40 Euro sind nach oben kaum Grenzen gesetzt. Besonders begehrte Designer-Babytragetücher können sogar im vierstelligen Bereich liegen. Doch der Preis allein entscheidet längst nicht über die Qualität, ein anfängergeeignetes Tuch aus Baumwolle aus dem niedrigen Preissegment ist wunderbar ausreichend, um seinem Baby und sich etwas Gutes zu tun.

Optik

Das Angebot an verschiedenen Tragetüchern ist inzwischen wahnsinnig groß, insbesondere optisch wird einiges geboten, sodass für jeden Geschmack das geeignete Design auffindbar ist. Längst sind Tragetücher nicht mehr langweilig gestreift im Öko-Look, sondern tatsächlich modisch und abwechslungsreich gehalten.

Lohnt sich eine Trageberatung für Tragetücher?

Eine Trageberatung ist absolut ratsam – aber keine Notwendigkeit. Allerdings hat eine Trageberaterin viele praktische Tipps auf Lager und stellt unterschiedliche Bindeweisen vor und übt diese mit den Ratsuchenden.

Das praktischste ist jedoch, dass man bei einer Trageberatung verschiedene Tragetücher und ihre Vor- und Nachteile kennenlernt. So kann man, bevor man ein Tragetuch kaufen will, herausfinden, mit welchem man am besten zurechtkommt. Darüber hinaus wird eine Trageberatung einen auch mit guten(!) Tragehilfen bekannt machen, die gegebenenfalls eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zum Tuch darstellen.

Eine Trageberatung ist übrigens auch dann lehrreich, wenn man bereits länger ein Tragetuch nutzt. Die Bedürfnisse des Tragenden und des Traglings ändern sich mit dem Alter und Gewicht des Kindes und somit können andere Tücher oder Bindeweisen vorteilhaft werden.

Wie ist das Baby richtig eingebunden?

Verschiedene Aspekte sind zu berücksichtigen, damit ein Kind sicher getragen werden kann und es dabei auch für den Erwachsenen bequem ist.

Achten Sie auf

die Anhock-Spreizhaltung

Babys ziehen reflexartig die Beine an, wenn man sie hochnimmt und gehen in die so genannte Anhock-Spreizhaltung. Das ist darauf zurückzuführen, dass Menschenbabys und -kinder getragen werden wollen. Diese Haltung soll auch mit einem Tragetuch erreicht werden. Dabei sind die Knie des Babys etwa auf Bauchnabelhöhe und der Popo sitzt tiefer als die Knie. Die Beine und der Po bilden ein „M“.

ein fest gebundenes Tuch

Das Tuch soll gut festgezogen werden, allerdings nicht zu fest. Der Rücken des Babys ist rund, aber gut gestützt. Die Kopfkante darf nicht zu locker sein, damit auch die Schultern und der Kopf halt finden. Bei älteren Traglingen und entsprechenden Bindeweisen können auch die Arme frei sein, dennoch muss die obere Kante des Tuches für ein sicheres Tragen gut angezogen sein.
Sie sollten jederzeit das Gefühl haben, nicht das Kind zusätzlich mit den Händen halten zu müssen; ist das der Fall, üben Sie die Bindeweise erneut und ziehen Sie alle Kanten und das Tuch insgesamt straffer. Gegebenenfalls sehen Sie sich nochmals Anleitungen an oder suchen eine Trageberaterin auf.

Tipp: Oft können auch Hebammen beim Tragetuchbinden helfen und beraten.

Blickrichtung zum Tragenden

Ein Baby sollte nicht nach vorne getragen werden, sondern immer zum Tragenden blicken. Auch wenn (fragwürdige) Tragehilfen anderes anbieten, ist es für das Kind so am besten. Es kann sich jederzeit den Eindrücken entziehen und sich ankuscheln, außerdem bietet nur die richtige Blickrichtung eine gesunde Ergonomie für das Kind (siehe Anhock-Spreizhaltung).

die richtige Tragehöhe

Ist das Baby ins Tragetuch eingebunden, sollten Sie die Stirn des Kindes ohne Probleme küssen können.

Ausnahme: Wer stillt, kann das Tragetuch vorsichtig lockern, das Baby etwa auf Brusthöhe nach unten rutschen lassen und zum Stillen anlegen. Das benötigt etwas Übung, gelingt aber meistens nach wenigen Versuchen. Ist der Säugling satt, so muss er wieder auf die richtige Höhe gebracht und das Tragetuch nachgezogen werden.

Fazit

Das Tragetuch ist für Babys und Kinder psychisch durch den Haut- und Körperkontakt sowie physisch (bei einer guten Bindeweise) rundum positiv einzuschätzen. Für den Tragenden bedeutet mit dem Babytragetuch zu tragen, mehr Mobilität und Freiheit im Alltag. Wer von Beginn an trägt und dies häufig tut, wird zunehmend mit dem steigenden Gewicht des Kindes Muskulatur aufbauen und dank anderer Bindeweisen auch einen schweren Tragling meistern. Mit einem Tragetuch zu tragen heißt nicht, auf einen Kinderwagen verzichten zu müssen – sondern man kann das Beste aus beiden Welten nutzen und den maximalen Komfort daraus ziehen. Für kleines Geld kann bereits ein gutes Tragetuch gekauft werden, um die Vorteile zu entdecken, das es bietet. Besonders für Eltern eines sehr Nähe bedürftigen Babys mit Geschwisterkind(ern) kann das Tuch die Lösung sein, um allen Bedürfnissen so gut wie möglich gerecht zu werden.

Bildrechte
Titelbild: ID 26085171, lenanet – depositphotos.com

Posted by Soeren

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